Pro Forschung fördert ein neuartiges Diskurskonzept zum Thema „Tierversuche in der Forschung“.
Im Jahr 2011 wurden in Hamburg, Würzburg und Braunschweig Großgruppendiskurse an Gymnasien fachlich und finanziell unterstützt. Das Format führt Schüler offen und vorurteilsfrei an das Thema Tierversuche heran – mit neutralem Hintergrundmaterial und Gesprächspartnern aus der Forschung und der Politik, von Behörden und Tierschutzverbänden.
Das Thema „Tierversuche“ berührt. Bei vielen Menschen erscheinen sofort Bilder gequälter Tiere vor dem inneren Auge. Andererseits nutzen die meisten Menschen täglich Produkte, die mit Hilfe von Tierversuchen entwickelt wurden. Das Reinigungsmittel, das Deo, die Kopfschmerztablette oder der Kleber auf der Briefmarke – sie alle müssen ungefährlich für die Gesundheit sein und getestet werden, bevor sie verkauft werden dürfen. Aber Tierversuche werden nicht nur eingesetzt, um Stoffe auf ihre Unbedenklichkeit zu prüfen. Sie sind außerdem essenzieller Bestandteil der Forschung.
Derzeit gelten Tierversuche in der Forschung als unverzichtbar - im Gegensatz zu der Sicherheitsprüfung von Stoffen: Hier stehen inzwischen eine Reihe von Alternativmethoden zur Verfügung, die zwar Tierversuche nicht vollständig ersetzen, die Tierzahlen und – belastungen jedoch senken. In der Forschung ist der Einsatz von Alternativmethoden deutlich schwieriger: Sowohl am Ende der Forschungskette zur Entwicklung neuer Medikamente als auch in der Grundlagenforschung, etwa um Krankheitsprozesse besser zu verstehen und Strategien dagegen zu entwickeln, gelten Tierversuche als unumgänglich.
Dennoch ist über die Gründe für Tierversuche - und deren praktische Durchführung - in der Öffentlichkeit kaum etwas bekannt. Wie viele und welche Tiere werden tatsächlich in Versuchen eingesetzt? Zu welchem Zweck werden die Versuche durchgeführt? Gibt es gesetzliche Regelungen? Leiden die Tiere? Könnte man auf Tierversuche verzichten?
Unter diesen Leitfragen steht das - nun von Pro Forschung unterstützte - Format „Großgruppendiskurs“. Es wurde im Rahmen eines Projektes des Bundesministeriums für Bildung und Forschung speziell für die Diskussion kontroverser Themen an gymnasialen Oberstufen entwickelt. Ziel des Diskurstages ist, dass Schüler sich auf der Basis ausgewogener Informationen eine eigene, qualifizierte Meinung bilden.
Das Format ist bewusst ergebnisoffen angelegt. An einem Unterrichtstag lernen die Schüler eines ganzen Jahrganges, sich fair mit einem kontroversen, oft emotionalen Thema auseinander zu setzen. Abgekoppelt vom normalen Lernumfeld kommunizieren die Schüler untereinander und mit Fachleuten auf eine Weise, zu der sie im Schulalltag keine Gelegenheit haben. Sie nutzen die Chance, einen gesellschaftlichen Abwägungs- und Entscheidungsprozess zu durchlaufen und lernen, dass die Antwort eben nicht immer nur schwarz oder weiß ist. Pro Forschung ist gemeinsam mit dem Forum Tierversuche in der Forschung Träger von Schuldiskursen, die entsprechend dem Diskurs-Leitfaden durchgeführt werden.